13. Juni 2026
Rückblicke

Tagesausflug nach Heide in Holstein an der Westküste

von: Monika und Bernd Carstens

Wie in den DDV Mitteilungen versprochen, könnt ihr hier den kompletten Reisebericht von Monika und Bernd Carstens. Der Verein bedankt sich noch einmal ganz herzlich für die Initiatve unserer Mitglieder und dass sie uns Heide mit viel Wissen und persönlichen Geschichten nähergebracht haben.

Den Westwind und einige Regenschauer konnten wir auch am Samstag den 13. Juni 2026 spüren. Ich bin sehr glücklich über euren Besuch. Hier habe ich eine kurze Zusammenfassung und Ergänzung zu meiner Stadtführung – auch für diejenigen die leider nicht dabei waren:

1867 wurde Schleswig-Holstein preußische Provinz. Heide bekam 1870 von Wilhelm I. die Stadtrechte verliehen.  Das war vor 156 Jahren. Heute zählt Heide ca. 22.000 Einwohner und ist Kreisstadt von Dithmarschen.

Das Kreiswappen zeigt auf rotem Grund den Reiter das Schwert schwingend auf einem galoppierenden Pferd mit dem Schweif nach oben. 1970 wurden Norder- und Süderdithmarschen zusammengelegt. Der einzige Unterschied im Wappen war der Schweif des galoppierenden Pferdes. Der Ursprung geht auf das ehemalige Siegel der selbstständigen wehrhaften Bauernrepublik Dithmarschen zurück.

Das Stadtwappen zeigt den heiligen St. Georg in seiner silbernen Rüstung als Drachentöter auf rotem Grund.  Er war schon für die Ritter ein Schutzpatron, später auch für Kirchen und Krankenhäuser. St. Jürgen ist die plattdeutsche Bezeichnung für St. Georg. Deshalb haben wir in Heide die "St. Jürgen Kirche".

Hier ist noch einmal die Erklärung zur Stadtgeschichte am Stadtbrunnen: 1404 ist Heide Versammlungsplatz der umliegenden Kirchspiele in der neutralen Mitte. Schon vor über 500 Jahren hatte Dithmarschen auch außenpolitisch friedliche Handelsbeziehungen mit Verbindungen zu den Hansestädten. 1434 wird "uppe de Heyde" das erste Mal urkundlich erwähnt. Ein Handelsvertrag mit Hamburger und Heider Siegel. Der Vorwurf der Piraterie hatte dazu geführt, dass in Dithmarschen ein neutraler Ort für den Handel entstand.

Hatten die Südstrander am Elbufer durch Feuerzeichen Handelsschiffe zum Kentern gebracht? Das Strandgut war die Beute?

"Uppe des Heyde bi Rüsdorp" wurde durch die zentrale Lage und das Zusammentreffen der Hauptstraßen zum Versammlungsort, Gerichts- und Marktplatz. 48 auf Lebenszeit gewählte Regenten versammelten sich wöchentlich als Selbstverwaltungsorgan der Bauernrepublik Dithmarschen.  Jeweils 12 Regenten kamen aus den Wester-  Öster- Middel- und Meldorp-Dövden.  Süderdithmarschen (Strandmanns-Dövd) kamen nicht.  Deshalb waren es nur die "Achtundvierziger".

Die Dövde waren Wehrbezirke. Dithmarschen war eine sichere Insel von Wasser umgeben. Genossenschaftliche Zusammenschlüsse für die gemeinsame Arbeit beim Deichbau hatten sich gebildet. "Republic Dithmarsia" gehörte zum Erzbischoftum Bremen. Der Einfluss war gering und ohne Abgaben. Dithmarschen war die Schweiz des Nordens.

Dithmarschen hat sich stets selbst verteidigt. In der Schlacht bei Hemmingstedt schlugen sie mit dem Volkshelden Wulf Isebrand die Dänen im Jahre 1500 in die Flucht.

Telse aus Wöhrden mit der Fahne in der Hand sprach den Dithmarscher Bauern Mut zu. Sie verschanzten sich sicher im feuchten sumpfigen Marschland bei Hemmingstedt, ursprünglich auch "Hölle" genannt. Der Feind ertrank im auflaufenden Wasser in der Flut. Der Dänische König Johann der I. und Herzog Friedrich konnten fliehen. Ein Denkmal auf der "Dusenddüvelswarf" erinnert an die Schlacht.

In der letzten Fehde 1559 haben die Dithmarscher ihre Freiheit verloren. Der Dänische König Friedrich der II. begann seine Regierung mit der Unterwerfung Dithmarschens in der letzten Fehde. Danach ließ er sich in Kopenhagen krönen und trat zur evangelischen Kirche über. Er räumte den Dithmarschern Sonderrechte ein. Das Dithmarscher Landrecht blieb bestehen. Die Frauen waren erbberechtigt und durften mitbestimmen und es bestand keine Wehrpflicht für die Dithmarscher. Es waren friedliche Zeiten. Die Ruhe des Nordens.

Frühlingsfest "Hahnebeer"
Die Feldgemeinschaften und Stadtteile sind in selbstverwaltete Eggen eingeteilt. Die kleine Westeregge ging aus wirtschaftlichen Gründen 1700 in Norder- und Süderegge auf. Im Februar wurde abgerechnet und jede Egge hat sein eigenes Eggenfest.

Klaus Groth
Klaus Groth, geb. am 24.04.1819, hat sich als Sohn eines Müllers in Tondern zum Lehrer ausbilden lassen. Er war Lehrer und Dichter des 19. Jahrhunderts und Ehrenbürger der Stadt Heide.

Tourist –Info mit Webcam
Wohn- und Geschäftshaus aus dem 19.  Jahrhundert. Hier lebte Jacob Friedrich Elvers 1756 bis 1838. Elvers ist Kaufmann und Landesbevollmächtigter "Dannebrogsmann". Seit 1670 war seine Familie schon im Tee- und Gewürz- und später im Eisenwarenhandel in Heide. Elvers war Förderer des Heider Gemeinwesens und Stifter der Armenschule und Bürgerschule in Heide.

Älteste Apotheke von 1631
Zwei Apotheker kamen von Tönning und beginnen mit dem schillernden Namen "Papageien Apotheke". Erst als der goldene Hirsch 1815 als zweite Apotheke auf Markt erscheint, trumpft man als Löwe auf. Die Zweite Apotheke in Heide am Markt war 1815 die erste Praxis des Dr. Heinrich Postel aus Schweden "Zum Goldenen  Hirsch".

Wilhelmine Postel
Wilhelmine (Minna) Postel ist 1844 in Heide geboren. Dank eines großen Familienerbes aus dem Holzhandel in Schweden ließ Wilhelmine Postel 1893 das Postelheim erbauen. Es wurde Kultur- und Bildungsstätte und ist heute die Volkshochschule. In Erinnerung geblieben ist ihr kultivierter Lebensstil und der lobenswerte Einsatz für Bedürftige. Ebenso ihr großzügiges Vermächtnis: 1933 überschrieb sie das Haus und Grundstück der Stadt Heide. Es wurde Rathaus mit Sitzungssaal 1938 bis 1960. Das heutige neue Rathaus wurde im alten Garten des Postelheims gebaut. Auf dem Rathausdach haben wir alles von oben gesehen.

Bier-Brauerein, Schnapsbrennereien, Gasthäuser und Bäckereien an jeder Ecke, alles zum täglichen Gebrauch wurde selbst hergestellt. Es gab noch keine Läden, alles wurde auf dem Marktplatz verkauft. Heide wurde innerhalb kürzester Zeit zum Mittelpunkt der selbstständigen Bauernrepublik.  Zentrales Denken und Handeln aller Bürger zu allen Zeiten, zukunfts- und gewinnorientierte Händler und Handwerker prägen den Ort. Seit über 500 Jahren findet hier immer noch auf dem größten unbebauten Marktplatz Deutschlands jeden Sonnabend der Wochenmarkt statt. Die 4,7 Hektar große unbebaute Fläche ist seit dem Jahre 2000 unter Denkmalschutz gestellt.

Wasserturm
Der Wasserturm ist das Wahrzeichen von Heide. Es führt ein Fahrstuhl nach oben. Die 23 Stufen auf der Wendeltreppe führen in das Trauzimmer. Im Erdgeschoss ist ein Aufenthaltsraum zum Empfang und Bewirtung der Gäste eingerichtet. Er ist 45,7 m hoch – und war höchster Wasserturm Schleswig-Holsteins. Der Wasserturm war lange Zeit Pilgerort für Ingenieure und ist das Lebenswerk Dr. Julius Lammers – er war damals Chef des Heider Krankenhauses.

Im Sommer 1901 brach erneut Typhus aus. Im Oktober 1902 waren die Rohrleitungen für die Wasserversorgung gelegt. 1903 waren alle Haushalte angeschlossen. 1911 war die Vollkanalisation fertiggestellt.

Um 13.00 Uhr haben wir im Wasserturm Restaurant dann unser wohl verdientes gemeinsames Mittagessen genossen. Dann mussten wir doch wieder weiter. Das Wetter war zum Glück etwas besser geworden und wir besuchten die "Museumsinsel Lütten Heid".

Brahms-Stamm Haus in Heide
Für Johannes Brahms war Lütten Heid die Heimat seines Vaters. Hier verbrachte er seinen Lebensabend und hat die Gedichte von Klaus Groth in freundschaftlicher Zusammenarbeit mit ihm vertont. Sein Vater Johann Jacob Brahms (1806 bis 1872) ließ sich in Wesselburen zum Komponisten ausbilden und hat in Hamburg sein Glück gemacht. Johannes Brahms ist 1833 in Hamburg geboren und ist berühmt als Komponist, Dirigent und Pianist.

Justus Frantz war als Intendant des Schleswig-Holsteinischen Musikfestivals in Heide im Tivoli. 1987 hat die damals neu gegründete Brahms-Gesellschaft auf Initiative von Justus Frantz das Haus erworben und in diesen historischen Zustand zurückversetzt.

Im Museum hat unsere liebe Evita uns dann herumgeführt. Auch das Klaus Groth Geburtshaus haben wir besichtigt.

Wichtig war mir auch noch das Dithmarscher Landrecht. Deshalb habe ich einen Ausschnitt zusammengefasst: Am 13. Februar 1447 wird auf dem Heider Marktplatz das erste Dithmarscher Landrecht verkündet. § 70 bezieht sich auf den Heider Marktfrieden. Garantierte Sicherheit für Händler und Besucher des Marktes jeden Sonnabend bis 13.00 Uhr. Wer den Markt besucht, muss die Waffen abgeben. Die Friedenspflicht ist festgeschrieben. Wer den Marktfrieden stört, muss 60 Mark zahlen – was dem Jahreslohn eines Schreibers entspricht. 1 Mark = 300 kg Getreide.

Dithmarscher Landrecht Bußgelder:

  • 100 Mark bei Totschlag – straffrei im Zweikampf – zur Blutrache – während einer Fehde
  • 200 Mark bei Totschlag im Sonderfrieden zu Marktzeiten, Versammlungszeiten und Erntezeiten

Frauen, Regenten und Pilger sind unter Schutz gestellt. Uneheliche oder vogelfreie Personen waren schutzlos.

Sehr schön war dann noch unser gemeinsames Kaffeetrinken im Wasserturm Restaurant, obwohl wir nicht so viel Zeit hatten. Der Zug für die Rückfahrt nach Hamburg fuhr um 17.02 Uhr.

Viele Grüße von Monika und Bernd Carstens

 

Foto: © Museumsinsel Lüttenheid Heide

 

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