
"Sorgen und Freuden gehören zusammen.
Manche Tage fühlen sich schwer an und ziehen sich hin, andere vergehen leicht, fast bevor wir sie bemerken.
Ton und Tempo des Lebens schwanken beständig.
Veränderung gehört zum Leben.
Das erfahren wir alle – auch in diesem Jahr.
Nehmen wir zum Beispiel das Elternsein.
Königin Mary und ich genießen es, unsere Kinder wachsen zu sehen, wie sie ihren Weg finden und sich anschicken, das Nest zu verlassen. Gleichzeitig erfüllt uns der Gedanke, sie loszulassen, mit Wehmut.
In diesem Jahr wurde Prinzessin Isabella 18 Jahre alt. Stellen Sie sich das einmal vor.
Die Tage mit kleinen Kindern können manchmal lang erscheinen. Doch plötzlich sind sie vorbei, und die Kinder treten hinaus in die Welt – eine Welt voller Möglichkeiten, aber auch voller Herausforderungen.
Einige dieser Herausforderungen sind größer, als uns lieb ist.
Die Zahl der Kriege ist hoch.
Einer davon findet ganz in unserer Nähe statt.
Nur wenige tausend Kilometer von Dänemark entfernt kämpfen die Ukrainer für ihre Freiheit.
Seit fast vier Jahren halten sie durch, leisten Widerstand und bestehen auf ihrem Recht, als freies und unabhängiges Land zu existieren.
Der Krieg bringt Leid und Unglück und verbreitet Unsicherheit in Europa.
Die Kämpfe finden auf ukrainischem Boden statt, doch es geht um Grundlegendes: um Sicherheit, Unabhängigkeit und Souveränität – hier auf unserem Kontinent und darüber hinaus.
Die Ukrainer haben nie Krieg gewollt; sie verdienen Frieden.
Hierzulande ist Frieden seit Jahrzehnten Alltag. Die meisten von uns haben nie etwas anderes erlebt. Zum Glück.
Diejenigen, die vor 80 Jahren die Befreiung erlebt haben, werden immer weniger. Augenzeugenberichte sind zu Berichten aus zweiter Hand geworden. Wir haben uns so lange sicher gefühlt, dass wir fast vergessen haben, dass es auch anders sein kann.
Für andere sind die Schatten der Vergangenheit noch nicht verblasst.
Finnland ist ein Beispiel für ein Land, das es schafft, das Schlimmste mitzudenken, ohne das Leben zum Stillstand zu bringen. Für die Finnen hat die Bedrohung aus dem Osten nie aufgehört. Sie leben damit, beugen sich ihr aber nicht. Das haben Königin Mary und ich deutlich gespürt, als wir Anfang des Jahres Finnland besuchten.
In Lettland ist der Frieden noch jung. Als ich 1992 als Student zum ersten Mal das Land besuchte, war Freiheit für die Menschen etwas Neues. Fünfzig Jahre Besatzung prägen ein Volk, und diese Erfahrung relativierte meine eigene.
Hierzulande spüren wir heute etwas Ähnliches. Nicht alle wollen uns Gutes. In der Grauzone zwischen Frieden und Unfrieden versuchen anonyme Angreifer, Unruhe zu stiften, Zwietracht zu säen und Angst zu verbreiten.
Es kann Websites treffen, die plötzlich ausfallen. Es können irreführende Videos sein, die Misstrauen säen. Es können Drohnen sein, die wie diffuse Vorzeichen am Himmel auftauchen.
Was kommt als Nächstes? fragen wir uns.
Den Nachrichtenstrom abzuschalten mag verlockend erscheinen, doch das ist kein Ausweg. Die Realität findet statt, ob wir sie wahrnehmen oder nicht.
Die Kunst besteht darin, wachsam zu sein, ohne sich von Angst überwältigen zu lassen. Aufmerksam zu bleiben, ohne denjenigen zu folgen, die Unsicherheit säen.
Glücklicherweise sind wir hierzulande darin geübt.
Wir wissen, wer wir als Volk sind und wofür wir als Nation stehen.
Wir orientieren uns selbstständig, vertrauen einander und helfen gern.
Wir kennen unseren Wert, ohne uns zu überschätzen.
Unsere größte Stärke ist es, zusammenzuhalten – im Königreich Dänemark, in Europa und in der NATO.
Ein Sprichwort besagt: Man soll sich auf das Schlimmste vorbereiten und auf das Beste hoffen. In der Verteidigung ist das nicht nur ein Spruch, sondern gelebte Praxis. Das haben Königin Mary und ich während unseres Besuchs in Lettland erlebt, als wir das dänische Kampfbataillon in Camp Valdemar begrüßten.
Gemeinsam mit unseren Verbündeten in der NATO leisten unsere Truppen einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung des Friedens im Ostseeraum, indem sie sowohl hohe Maßstäbe setzen als auch die Moral hochhalten.
Ich danke unseren Soldatinnen und Soldaten, die sich für uns einsetzen – und ihren Angehörigen, die währenddessen ohne sie auskommen müssen.
Danke auch allen, die für unser Land sorgen – der Polizei, den Rettungsdiensten und der Verteidigung.
In diesem Sinne – und als Vater – möchte ich unseren Wehrpflichtigen einen Neujahrsgruß übermitteln. Danke, dass ihr euch zum Dienst meldet und euch für die Gemeinschaft engagiert. Ich hoffe, dass ihr – wie kürzlich der Kronprinz und ich selbst zu meiner Zeit – durch das Vertrauen, das ihr erhaltet und anderen entgegenbringt, über euch hinauswachst.
Ihr seid das Fundament unserer Verteidigung, das in den kommenden Jahren gestärkt wird – sowohl zeitlich als auch personell.
Die Wehrpflicht ist für alle in Dänemark zur Pflicht geworden, und in Grönland nehmen grönländische Jugendliche an der neuen arktischen Grundausbildung in Kangerlussuaq teil. Das bedeutet eine vielfältigere und damit stärkere Verteidigung.
In Wirklichkeit kennt die Pflicht zur Verteidigung weder Alter noch Ablaufdatum. Wir alle sind verpflichtet, uns um unser Land zu kümmern, und haben eine moralische Verantwortung gegenüber einander.
Unser christliches Kulturerbe fordert uns auf, liebevoll zu sein – nicht nur gegenüber unseren Nächsten, sondern gegenüber allen Menschen.
Unsere Mitmenschen sind sowohl diejenigen, die wir uns im Leben ausgesucht haben, als auch diejenigen, die wir übersehen oder von denen wir uns distanziert haben. Darin liegt die Herausforderung.
Unsere Aufgabe ist es, in unseren Herzen Platz für Mitgefühl zu finden – auch wenn es uns schwerfällt.
Im Frühjahr hatte ich das große Vergnügen, wieder in Grönland zu sein, und einmal mehr wurden wir mit überwältigender Herzlichkeit empfangen.
Es war und ist eine turbulente Zeit. Trotzdem lassen sich die Grönländer nicht beirren, sondern begegnen ihren Herausforderungen mit Stärke und Stolz.
Sie schaffen Zusammenhalt nach innen und Respekt nach außen und festigen das Bild eines starken Volkes in der Arktis.
Im Frühsommer war es endlich Zeit, die Färöer zu besuchen.
Die Vorfreude wurde voll und ganz erfüllt, als Königin Mary, Prinzessin Josephine und ich den Boden der Inseln betraten.
Von Luft, Land und Meer erstreckte sich die fast überirdische Schönheit so weit das Auge reichte – soweit der Nebel es zuließ.
Überall wurden wir von der bekannten färöischen Gastfreundschaft empfangen. Auch auf der Tanzfläche. Denn wenn Färinger einen Kettentanz tanzen, ist immer Platz für einen mehr.
Gemeinschaften gibt es in vielen Varianten, und der Tanz zeigt: Wer dazukommt, wird ohne Zögern aufgenommen.
Das mag wie eine kleine Geste erscheinen, doch für denjenigen, der außen bleibt, kann es die Welt bedeuten.
Dies gilt nicht nur für den Tanz, sondern für fast alles im Leben.
Ich danke allen auf den Färöern und in Grönland, dass sie meine Familie und mich erneut so herzlich aufgenommen haben.
Im Namen von Königin Mary und mir danke ich auch den vielen Menschen, die uns im Laufe des Jahres unterstützt haben.
Wir wissen, dass jedem unserer Besuche umfangreiche Vorbereitungen vorausgehen – sei es, Routen durch die Stadt für unseren Besuch zu planen oder Platz für den Dannebrog im Hafen zu schaffen.
Überall genossen wir die blühende lokale Kultur. Jede Stadt hat ihre Besonderheiten, jede Region ihren Charme, jede Ecke ihre Fähigkeiten.
An vielen Orten stießen wir auf alte Handwerkstraditionen, überliefert und verfeinert über Generationen. Glasbläserei in Sæby, Freizeitfischerei in Vorupør, Seetangdachdeckung auf Læsø. Handwerkskunst sichert über Jahrhunderte hinweg Lebensunterhalt und begeistert auch heute.
Anfang dieses Jahres traf ich fünf junge Auszubildende – Augusta, Casper, Niels, Sofie und Magnus – die auf der Europameisterschaft für junge Fachkräfte in Herning ihre Berufe auf höchstem Niveau präsentierten.
Dänemark gewann zahlreiche Medaillen – beeindruckend und inspirierend. Junge Handwerkerinnen und Handwerker können mit ihren Händen Wunder vollbringen. Es kommt auf Geschick, Fleiß und Zeit an – und das ist heute wie damals der Weg zu Können und Meisterschaft.
Der Wandel des Lebens betrifft uns alle – ob hier geboren oder zugezogen, ob wir hier leben oder als Dänen im Ausland.
Was wir haben, schätzen wir besonders, wenn wir es manchmal entbehren müssen.
Sorgen und Freuden, Gutes und Schlechtes, Sonnenschein und Wolken – sie gehören zusammen.
Keiner kann das eine ohne das andere haben.
Vielleicht ist es auch gut so.
Denn der Frühling ist gerade deshalb so schön, weil wir ihn nach dem Winter erleben.
Ein wirklich frohes neues Jahr!
GOTT SEGNE DÄNEMARK.“
Foto: © Dennis Stenild, Kongehuset