Wo zuvor nichts war, erschafft Christensen in alphabet mit der schlichten, beschwörenden Formel „gibt es“ nichts Geringeres als die Welt selbst: Aprikosenbäume, Narwale, Stickstoff, Atome, den Halleyschen Kometen. Zeile für Zeile, Atemzug um Atemzug wächst Wirklichkeit. Das Physische und das Psychische durchdringen einander, Muster entstehen, zerfallen, verbinden sich neu. Sprache wird zu Schöpfung. Das Gedicht weitet sich — vom Kleinsten bis ins Kosmische, bis an den Rand der Unendlichkeit.
Und doch trägt dieses Werk einen Schatten. alphabet ist ein Hymnus an das Leben im Angesicht seiner möglichen Auslöschung — geschrieben im Bewusstsein jener zerstörerischen Kräfte, die der Mensch selbst entfesselt hat, durchglüht von der Frage, wie zerbrechlich unsere Wirklichkeit ist. Eine zärtliche und zugleich unbeirrbare Existenzbehauptung. Von seltener poetischer Wucht. Und von erschreckender Gegenwärtigkeit.
Der Schweizer Theaterkünstler Thom Luz nimmt sich dieses Jahrhundertgedicht vor, um es erstmals auf einer Theaterbühne in ein von Musik durchdrungenes Klangbild zu verwandeln – verspielt und traurig, flüchtig, voll von leisem Humor, mit magisch schönen Theaterbildern und drei herausragenden Schauspielerinnen aus drei Generationen: Ilse Ritter, Julia Wieninger und Alberta von Poelnitz.
Die Uraufführung findet am 6. März im SchauSpielHaus Hamburg statt, weitere Vorstellungen gibt es unter anderem am 12.03, 25.03, 12.04, 25.04, 12.05 und 05.06.